Frage
Tobi, Du fotografierst seit 2012 Menschen und hast mit der Zeit einen gesunden Stilmix gefunden. Lingerie, Swimwear, Fashion und Lifestyle sowie klassische Portraits findet man in Deinem Portfolio. Dein Repertoire scheint grenzenlos zu sein. Wie schaffst Du es so vielfältig auf konstant hohem Niveau zu fotografieren?
Antwort
2012 ist eine gute Mitte. Erste Berührungspunkte zur People-Fotografie hatte ich bei einem Workshop. Das dürfte im Jahr 2011 gewesen sein. Seit 2013 betreibe ich die People-Fotografie etwas ernsthafter, sofern man bei einem überzeugten Hobbyisten überhaupt von ernsthaft reden kann. Deine Einschätzung in Bezug auf Stilmix und Niveau ehrt mich und freut mich natürlich sehr. Eine gewisse Bandbreite und Vielfalt sind mir in der Tat bei der Fotografie sehr wichtig. Allerdings wäre ich gerne noch breiter aufgestellt und vielseitiger. Beispielsweise sollte und könnte ich mich mehr Portraits bzw. natürlichen Portraits annehmen, auch mal eine ganze Strecke stimmig ablichten oder aber abseits der klassischen Peoplefotografie, sich in gute Reportage- und Dokumentarfotos bzw. -strecken reinarbeiten. Insgesamt mache ich mir aber relativ wenig Gedanken um meine Fotografie, so dass mich Deine Frage erstmal richtig ins Grübeln gebracht und mich gezwungen hat, darüber nachzudenken. Vielleicht schildere ich einfach, wie ich persönlich an die Fotografie herangehe bzw. welche ganz subjektive Sichtweise ich darauf habe. Allen voran gehe ich völlig easy an die Fotografie heran und vergleiche mich bewusst nicht mit anderen Fotografen, denn der Vergleich ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit. Egal wie gut Du bist, es wird immer einen geben, der besser ist als Du. Ich lege mir doch kein Hobby zu, um mich dann zu ärgern oder unglücklich mit den Ergebnissen zu sein. Ich treffe aber immer wieder auf Leute, die sich mit einer solchen Denke in meinen Augen eher im Weg stehen. Und so ist mein einziger Anspruch an mich selbst, dass ich im Dezember ein Stück weit reifere Fotos schieße, als im Januar. Vielleicht sind diese relativ ungezwungene Sichtweise und die Tatsache, dass ich bewusst äußerst entspannt meinem Hobby frönen möchte, gepaart mit einem Schuss Herzblut und einer Portion Leidenschaft sowie Humor wesentliche Faktoren, dass die Bilder so werden, wie sie werden. Weitere wichtige Faktoren für mich sind ein sehr sehr gutes, ausgeglichenes und entspanntes Miteinander zwischen Model und Fotograf, ein entsprechender Umgang mit Licht sowie ein geschulter Geschmack, was wie gut rüber kommt und was nicht. Mancher Klamottenlook passt eben nicht zu jedem Model bzw. zu jeder Location oder zum vorhandenen Licht. Aber auch ein trashy Blitzlook geht nicht immer und überall oder mit jeder Klamotte. Abgerundet wird das Ganze für mich mit einem stimmigen Color-Grading im Rahmen der Bildbearbeitung , die bei mir überwiegend in Lightroom stattfindet. Aber insgesamt muss ich trotzdem sagen, dass ich relativ intuitiv und ohne viel Vorbereitung an einen Shoot rangehe. Ich lasse mich da eher viel von meinem Bauchgefühl leiten und betreibe keine eine zu detaillierte Vorplanung. Natürlich tauscht man im Vorfeld Moods aus und verständigt sich grob über Richtung und Style. Letzten Endes entscheide ich dann aber relativ häufig spontan und kurzfristig vor Ort, nachdem ich alle Elemente auf mich habe wirken lassen und während des Shoots ergibt sich dann alles im Fluss.