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Ausgabe № 07 Navigation im Menü
Portraits Made in Germany
lightworx photography

Interview mit lightworx photography

Interview-Feature

lightworx photography

lightworx über intuitives Fotografieren, 35mm Hochkantakrobatik und eine außergewöhnliche Begegnung in Havanna

Q01

Frage

Tobi, Du fotografierst seit 2012 Menschen und hast mit der Zeit einen gesunden Stilmix gefunden. Lingerie, Swimwear, Fashion und Lifestyle sowie klassische Portraits findet man in Deinem Portfolio. Dein Repertoire scheint grenzenlos zu sein. Wie schaffst Du es so vielfältig auf konstant hohem Niveau zu fotografieren?

Antwort

2012 ist eine gute Mitte. Erste Berührungspunkte zur People-Fotografie hatte ich bei einem Workshop. Das dürfte im Jahr 2011 gewesen sein. Seit 2013 betreibe ich die People-Fotografie etwas ernsthafter, sofern man bei einem überzeugten Hobbyisten überhaupt von ernsthaft reden kann. Deine Einschätzung in Bezug auf Stilmix und Niveau ehrt mich und freut mich natürlich sehr. Eine gewisse Bandbreite und Vielfalt sind mir in der Tat bei der Fotografie sehr wichtig. Allerdings wäre ich gerne noch breiter aufgestellt und vielseitiger. Beispielsweise sollte und könnte ich mich mehr Portraits bzw. natürlichen Portraits annehmen, auch mal eine ganze Strecke stimmig ablichten oder aber abseits der klassischen Peoplefotografie, sich in gute Reportage- und Dokumentarfotos bzw. -strecken reinarbeiten. Insgesamt mache ich mir aber relativ wenig Gedanken um meine Fotografie, so dass mich Deine Frage erstmal richtig ins Grübeln gebracht und mich gezwungen hat, darüber nachzudenken. Vielleicht schildere ich einfach, wie ich persönlich an die Fotografie herangehe bzw. welche ganz subjektive Sichtweise ich darauf habe. Allen voran gehe ich völlig easy an die Fotografie heran und vergleiche mich bewusst nicht mit anderen Fotografen, denn der Vergleich ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit. Egal wie gut Du bist, es wird immer einen geben, der besser ist als Du. Ich lege mir doch kein Hobby zu, um mich dann zu ärgern oder unglücklich mit den Ergebnissen zu sein. Ich treffe aber immer wieder auf Leute, die sich mit einer solchen Denke in meinen Augen eher im Weg stehen. Und so ist mein einziger Anspruch an mich selbst, dass ich im Dezember ein Stück weit reifere Fotos schieße, als im Januar. Vielleicht sind diese relativ ungezwungene Sichtweise und die Tatsache, dass ich bewusst äußerst entspannt meinem Hobby frönen möchte, gepaart mit einem Schuss Herzblut und einer Portion Leidenschaft sowie Humor wesentliche Faktoren, dass die Bilder so werden, wie sie werden. Weitere wichtige Faktoren für mich sind ein sehr sehr gutes, ausgeglichenes und entspanntes Miteinander zwischen Model und Fotograf, ein entsprechender Umgang mit Licht sowie ein geschulter Geschmack, was wie gut rüber kommt und was nicht. Mancher Klamottenlook passt eben nicht zu jedem Model bzw. zu jeder Location oder zum vorhandenen Licht. Aber auch ein trashy Blitzlook geht nicht immer und überall oder mit jeder Klamotte. Abgerundet wird das Ganze für mich mit einem stimmigen Color-Grading im Rahmen der Bildbearbeitung , die bei mir überwiegend in Lightroom stattfindet. Aber insgesamt muss ich trotzdem sagen, dass ich relativ intuitiv und ohne viel Vorbereitung an einen Shoot rangehe. Ich lasse mich da eher viel von meinem Bauchgefühl leiten und betreibe keine eine zu detaillierte Vorplanung. Natürlich tauscht man im Vorfeld Moods aus und verständigt sich grob über Richtung und Style. Letzten Endes entscheide ich dann aber relativ häufig spontan und kurzfristig vor Ort, nachdem ich alle Elemente auf mich habe wirken lassen und während des Shoots ergibt sich dann alles im Fluss.

Q02

Frage

2018 war ein sehr produktives Jahr mit sehr vielen Shootings für Dich. Kommst Du manchmal an Deine körperlichen oder kreativen Grenzen?

Antwort

Also nachdem ich die Fotografie rein als Hobby und Ausgleich zum Job betreibe, würde ich es eher als suboptimal empfinden, wenn es mich an meine persönliche Grenzen führen würde. Aber Du hast vollkommen Recht mit der Aussage, dass ich im Jahr 2018 vergleichsweise viel geshootet habe. Einerseits bringt das in meinen Augen sehr viel für die persönliche fotografische Weiterentwicklung, weil man dabei in wechselnden Situationen mit den unterschiedlichsten Rahmenbedingungen konfrontiert wird und ungemein viel Erfahrung sammeln und sich ausprobieren kann. Und vielleicht liest das hier ja der ein oder andere Fotoanfänger der (zu) viele Bücher oder Tutorials verschlingt oder viel Zeit bei Technik- oder Markendiskussionen verbringt. Werdet nicht zu theorie- oder techniklastig! Nehmt Eure Kamera, geht raus, fotografiert und sammelt Erfahrungen in der Praxis! Macht Fehler, ärgert Euch kurz am Rechner, wieso Euch dies und das beim Blick durch den Sucher nicht schon aufgefallen ist. Nehmt wieder die Kamera und achtet beim nächsten Mal darauf, dass es Euch dabei diesmal gleich beim Blick durch den Sucher auffällt (dafür ärgert Ihr Euch dann nicht mehr über den Haargummi am Handgelenk, sondern über die unvorteilhafte Pose und beim nächsten Mal über wenig schmeichelndes Licht und so weiter und so fort). Auf der anderen Seite muss man natürlich aufpassen, dass man nicht zu inflationär Bilder produziert und das Ganze in eine Massenabfertigung ausschlägt, so dass man sich nicht mehr so intensiv in Vorbereitung, Durchführung und Bildbearbeitung auf das einzelne Shooting einlassen kann, da die Zeit hierfür einfach endlich ist. Nachdem ich in 2019 auch andere Freizeitbeschäftigungen wieder vertiefen will, aber mich auch mit anderen Fotografiesparten außerhalb der Peoplefotografie stärker beschäftigen möchte, werde ich 2019 insgesamt weniger fotografieren.

Q03

Frage

Fotografen haben, auch abhängig von ihrer Stilrichtung, die unterschiedlichsten Arten zu fotografieren. Manche beschäftigen sich mehr mit dem Menschen als der Kamera, andere legen die Kamera kaum aus der Hand. Wie kann ich mir das bei Dir vorstellen?

Antwort

Einen guten Draht zwischen Fotograf und Model halte ich für einen essentiellen Baustein, um zu entsprechenden Ergebnissen zu kommen. Bedauerlicherweise bleibt mir für meine Shoots oftmals nicht die Zeit, die ich gerne hätte und so ist es einfach leider oft eine relativ kurze Aufwärm- und Kennenlernphase. Während des Shoots bin ich dann einer, der in relativ hoher Frequenz am Auslöser ist. Dabei ist alles im Fluss und das Model in Bewegung ohne zu viel statische Elemente. Ich mag es eher weniger, wenn das Model zu lange angewurzelt in irgendwelchen gekünstelten Posen ausharren muss.

Bildserie zum Gespräch

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Q04

Frage

Deine Bilder entstehen hauptsächlich unter freiem Himmel. Wie verbringst Du die Wintermonate? Mietest Du Wohnungen oder Studios an?

Antwort

Das ist richtig, ich fotografiere sehr oft outdoor bzw. indoor on Location und ganz selten bin ich im Studio zu finden. Nachdem ich jobbedingt relativ wenig terminliche Planungssicherheit habe, miete ich mich ungern bei einer AirBnB oder im Studio ein, um das dann spontan absagen und stornieren zu müssen, falls es mir kurzfristig einen Termin zerlegt. Dazu kommt, dass in und um Nürnberg sich die Anzahl guter Studios bzw. interessanter AirBnBs in engen Grenzen hält. Daher shoote ich in der kühlen Jahreszeit traditionell eher weniger, außer das Model hat eine interessante Location in der Hinterhand. Aber auch das hat sein Gutes, denn so schnappe ich mir hin und wieder auch Bilder aus älteren Shootings zur Bildbearbeitung und dann lege ich im Frühjahr mit etwas fotografischen Abstand und neuen Inspirationen wieder los.

Q05

Frage

Gibt es ein Shooting, dass Dir besonders in Erinnerung geblieben ist? Vielleicht weil es außergewöhnlich war oder etwas eigenartiges passiert ist?

Antwort

Ein einzelnes herauszupicken würde den vielen tollen Shootings und Begegnungen nicht gerecht werden. Aber insgesamt betrachtet war die außergewöhnlichste Fotoerfahrung ohnehin kein Model-Shooting im klassischen Sinn, sondern hat sich während meiner Urlaubsreise 2016 nach Kuba mit einem Fremden zugetragen. Bei der Recherche im Vorfeld bin ich auf einen besonderen Freiluft-Boxclub in der Hauptstadt Havanna gestoßen, das „Gimnasio de Boxeo Rafael Trejo“ inmitten heruntergekommener Wohnhäuser. Allzu viele Informationen fanden sich damals aber noch nicht im Netz. Der Reiseführer hatte sich hierzu auch vollständig ausgeschwiegen, aber die grobe Richtung hatten wir. Am Eingang sind meine Frau und ich gleich auf einen älteren Herrn gestoßen und wir haben uns mit Händen und Füßen verständigt, ob wir mal einen kleinen Blick in den legendären Kult-Club hineinwerfen dürften. Voller Stolz hat er uns dann hereingebeten und wir konnten uns völlig frei umsehen. Im hinteren Bereich bin ich dann auf einen jungen Mann beim Training gestoßen und wieder verständigten wir uns mit Händen und Füßen, ob ich ihn beim Training etwas fotografisch begleiten dürfte. Zum Schluss hat er dann noch ein paar Sofortbilder von mir bekommen und er war außer sich vor Freude und Glück und konnte es gar nicht fassen. Diese Lebensfreude und Zufriedenheit, die die Kubaner trotz einfachster Verhältnisse, versprüht hatten, aber auch die immense Dankbarkeit und der gegenseitige Respekt hat mich schwer beeindruckt. Und der Boxer hatte das alles irgendwie auf den Punkt gebracht. Vielleicht war es auch deshalb so prägnant, weil uns das hier im vor Überfluss strotzenden und trotzdem stets vor sich hin jammernden good old Germany viel zu selten begegnet.

Q06

Frage

Stehen bei Dir in diesem Jahr Veränderungen an? Gibt es Überraschungen?

Antwort

Kleine Veränderungen wird es, denke ich, auf jeden Fall geben. Ich will mich zum Teil Fotoprojekten abseits der klassischen Peoplefotografie widmen. Ein bisschen mehr Street- und Dokumentarfotografie. Aber der Großteil davon wird eher in einem Buch mit Auflage 1, nur für mich landen und weniger auf Instagram. Und dann möchte ich meine analogen Kameras mehr zum Einsatz bringen. Ansonsten will ich wieder öfters in die Berge fahren und mich da aufs Bike schwingen oder ein paar Gipfel besteigen. Auf was ich mich wirklich schon unheimlich freue und nach vielen vielen Jahren ganz fix in Planung ist: Endlich mal wieder ein Gipfelbiwak. Einfach mit Rucksack, Isomatte und Schlafsack mitten in den Bergen ungestört einen Sonnenunter- und -aufgang zu erleben ist ein Wahnsinnserlebnis. Ich hab das viel zu lange nicht mehr gemacht und das steht in 2019 auf jeden Fall auf meiner Bucketlist. Die Kamera werde ich wohl trotzdem mit dabei haben. Ein paar Eindrücke muss man einfach festhalten. Auch wenn ich ein gestandener Bayer bin, im Rheinland heißt es glaube ich: „Et kütt wie et kütt.“ und „Et hätt noch emmer joot jejange.“ Mit gefällt der Spruch total! Der Entspannung und Gelassenheit, die diesen Sätzen zu Grunde liegt, kann ich - auch im neuen Jahr 2019 - sehr viel abgewinnen. Und irgendwie gilt das auch für meine Fotografie…

Credits

Veröffentlicht: 20. Januar 2019

Format: Interview mit integrierter Bildserie

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